Alkoholismus

Ich überschreibe meinen Erfahrungsbericht mit dem Begriff Alkoholismus, denn ich möchte den Menschen Mut machen, die wie ich, mich damals schämten, sich als Alkoholikerin zu bezeichnen. Ich hatte große Probleme, denn irgendwie verband ich das Wort als eine Definition für Menschen, die einfach zu schwach waren, etwas in ihrem Leben auf die Reihe zu bekommen. Ich hatte auch große Schwierigkeiten, den Alkoholismus als Krankheit zu verstehen.

Meine Jugend war sehr vom Alkohol geprägt, obwohl ich das selbst gar nicht so gesehen habe. Meine Freundinnen und ich gingen oft auf Partys und das war es normal, auch mal das eine oder andere Glas zu trinken. Immerhin bekam ich die Schule gut hin und sonst stimmte soweit auch alles in meinem Leben. Nach der Schule machte ich mein Abitur, weil ich danach Medizin studieren wollte.

Es fing so mit 19 Jahren an und ich war mitten im Abi. Ab und zu erwischte ich mir dabei, dass ich versuchte mit Alkohol den Stress etwas zu verringern. Anfangs funktionierte das auch sehr gut, aber ich schon wichtige Dinge, wie Klausuren und andere wichtige Arbeiten vor mir her und erledigte sie erst in letzter Minute. Das wirkte sich natürlich auch auf die Qualität aus und meine schulischen Noten wurden teilweise schlechter. Meine damaligen Freundinnen waren auch nicht mehr so für jede Party zu haben und so ging ich auch alleine öfter weg. Da habe ich dann auch oft mehr Alkohol getrunken, als es mit gut tat.

Meine Mutter bemerkte auch meine Veränderungen, sprach mich aber nur selten darauf an. Sie hatte eigene Probleme und hatte auch eher wenig Zeit für mich. Der Alkohol wurde immer präsenter in meinem Leben. In der Schule hatten wir natürlich auch das Thema Suchtkrankheit und vor allem das Thema Alkoholismus. Es wurden die verschiedenen Anzeichen des Alkoholismus besprochen und auch die Folgen von regelmäßigem Alkohol, der auch körperliche Krankheiten nach sich ziehen kann. Ich schaute dann eher immer nur in die Bücher und beteiligte mich wenig am Unterricht. Ich schämte mich, denn mittlerweile hatte sich ja auch in der Schule herumgesprochen, dass ich gerne mal Alkohol trank.

Aus dem Medizinstudium wurde erst mal nicht, als ich das Abi zwar schaffte, aber nicht so gut, wie es für dieses Studium notwendig gewesen wäre. Ich fiel irgendwie in ein Loch, weil es doch mein Traumberuf war. Ich machte ein paar Praktika, aber so richtig fand ich kein Ziel für mein Leben.
Meine neuen Freunde waren wieder für jede Party zu haben und so trank ich auch immer mehr, um nicht über meine Zukunft nachdenken zu müssen.

Alkoholismus und Depressionen

Ich fiel in ein Loch und konnte mich zu nichts mehr aufraffen. Meine Tante, eine Psychologin, sprach mich eines Tages an, was mit mir los ist. Aus früheren Gesprächen mit ihr, wusste ich, dass sie eigentlich der Meinung war, Hilfesuchende sollten selbst kommen, wenn sie Hilfe wollen. Bei mir machte sie aber eine Ausnahme. Wir sprachen sehr lange über mich und ich fühlte mich zum ersten Mal nach langer Zeit frei. Ich erzählte ihr alles und vor allem auch von meinem regelmäßigen Alkoholkonsum. Durch meine fehlende Motivation, etwas an meinem Leben zu ändern, hatte ich auch schon öfter mit Depressionen zu kämpfen. Das machte die ganze Sache mit dem Alkohol nicht einfacher.

In den kommenden 4 Jahren wurde ich so eine Art Privatpatient bei meiner Tante, die sich sehr viel Zeit mit mir nahm. Sie erzählte mir auch, dass man sich wegen einer Alkoholabhängigkeit nicht schämen muss und das es Alkoholikerinnen sehr viele gibt und das Klischee der Definition des Alkoholikers in der Gesellschaft weit überholt ist. Der Alkoholismus ist in den sogenannten besseren Kreisen weit verbreitet.

Mit Hilfe meiner Tante, die mich ja jetzt in ihrer Funktion als Psychologin sah, schaffte ich es, mich von meiner Alkoholsucht zu befreien. Es hat noch lange gedauert, aber als ich mir selbst eingestehen konnte, dass ich alkoholsüchtig bin, war der Weg für ein alkoholfreies Leben für mich gar nicht mehr so schwer.

Habt Mut, wenn ihr glaubt, mit euch und eurem Alkoholkonsum stimmt etwas nicht. Hilfe kann jeder bekommen.


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